Für ausgewählte Teilnehmer begann das Abenteuer bereits bei der Anreise mit dem Zug. Nachdem diese Hürde genommen war, vereinfachten wir uns den mühevollen Weg durchs Obersulzbachtal durch die Nutzung des Hüttentaxis der Kürsinger Hütte. Nur die letzten Meter mussten wir in der Mittagshitze noch aus eigener Kraft bewältigen. Auf der Hütte angekommen, genossen wir das sehr leckere und gut dimensionierte Abendessen und stimmten uns für die kommenden Tage ein.
Der Dienstag startete mit einem gemütlichen Frühstück um 6 Uhr, danach ging es als Eingehtour über Blockgelände auf den Keeskogel mit immerhin schon fast 3.300 m. Bei dieser Gelegenheit konnten die Teilnehmenden ein gutes Gruppentempo finden und ihre Fähigkeiten in der Wegfindung schärfen. Auf dem Gipfel dann die Überraschung: Hier oben gibt es nicht nur einen tollen Ausblick auf die Hohen Tauern, sondern – im Gegensatz zur Hütte – auch Handy-Empfang! Nachdem wir also alle unsere Statusmeldungen verschickt hatten, machten wir uns an den Abstieg. Da sich währenddessen die Wolken zusehends verdichteten, beschlossen wir, den Rest des Tages auf der Hütte zu verbringen. Wie sich zeigte, war das die ideale Zeit, um ausführlich über Ausrüstung zu sprechen sowie Knoten und Seiltechnik zu üben, während draußen die Welt unterging.
Der Mittwoch begann mit Frühstück um 4 Uhr, gefolgt von der Erkenntnis, dass das Wetter uns heute wohl nicht auf unsere Tour zum Gamsspitzl lassen würde. Schade, aber für eine kleine Übungseinheit zum Thema Steigeisentechnik sollte es dennoch reichen. Also erkundeten wir den Weg zum Venedigerkees und übten dort verschiedene Gehtechniken sowie das Überwinden von offenen Spalten. Als wir gegen Mittag wieder auf der Hütte ankamen, ließ das Unwetter weiterhin auf sich warten. Also nutzten wir die Zeit für Spaltenbergungs- und Selbstrettungsübungen. Na, wo bleibt denn nun dieses Gewitter? Es hatte sich wohl ein anderes Tal ausgesucht… Dennoch hatten wir einen schönen und kurzweiligen Tag und waren nun top vorbereitet für den Höhepunkt der Woche: Die Tour zum Großvenediger.
Der Wecker klingelte um 1:50 Uhr – Hochtourenfeeling! Das Wetter war okay, also ging’s mit Stirnlampen zum Gletscher; die Steigeisen wurden noch in der Dunkelheit angelegt. Wir waren die Ersten und mussten unseren Weg durch den spaltenreichen, aperen unteren Teil des Gletschers in der Dämmerung finden. Die Übungen vom Tag zuvor zahlten sich aus und wir kamen sehr gut voran. Mit dem ersten Tageslicht betraten wir den erstaunlich matschigen und nassen Schnee. Es gab regelrechte Pfützen, weil es seit Tagen auch nachts noch Plusgrade hatte. Weiter oben wurde es etwas besser, die Folgen der diesjährigen Hitzewelle waren aber unübersehbar: Es fehlte Schnee. Auf Höhe der Venedigerscharte gesellte sich eine dichte Wolke zu uns, die sich den ganzen Vormittag am Gipfel des Großvenedigers aufhalten würde. Nach dem ein oder anderen Motivationssnack kamen wir um Punkt 8 Uhr am Gipfel an – auf 3657 m und leider ohne Aussicht, dafür aber mit dem schönen Gefühl, zusammen eine starke Teamleistung erbracht zu haben. Im Abstieg optimierten wir die ausgetretene Aufstiegsspur noch so, dass unsere Füße möglichst trocken blieben, und ließen den Rest des Tages auf der Hütte mit wohlverdientem Kuchen ausklingen.
Trotz wechselhaften Wetters haben wir ein paar sehr schöne Tage in den Hohen Tauern erlebt. Wir konnten viele Themen wiederholen, hatten gute Touren und sind gesund, glücklich und erschöpft wieder im Tal angekommen. Ein herzliches Dankeschön an die Teilnehmenden! Mit eurer Motivation, eurem Engagement und der guten Stimmung habt ihr die Woche für mich zu einem unvergesslichen Bergerlebnis gemacht.
Bericht: Christian Herkommer