Als „Einlauftour" für unseren ersten Tag hatten wir uns für den Col Plö Alt (2315 m) über die Gardenacia Hütte im Puez-Geisler-Naturpark entschieden. Die ersten Höhenmeter legten wir mit dem Gardenacia Sessellift zurück. Der weitere Weg war sehr abwechslungsreich und ehe wir uns versahen, waren wir schon auf dem Gipfel. Dort angekommen bot uns der aussichtsreiche Grasgipfel des CoI Plö Alt mit seinem mächtigen Felsabsturz ein atemberaubendes 360 Grad Panorama auf alles, was die Dolomiten zu bieten haben: das Gadertal, die Heiligkreuzkofelgruppe, den Lagazuoi, den Settsass sowie, nicht zu vergessen, den höchsten Berg der Dolomiten, die Marmolata. Unsere Vorfreude auf die nächsten Tage wuchs und wir erahnten, welche herrlichen Gipfel wir noch erklimmen würden. Auf dem Rückweg schon vor Augen...
...unser Ziel des nächsten Tages, der Sassongher (2665 m), Südostpfeiler der Puezgruppe im Naturpark Puez-Geisler, Hausberg von Corvara und einer der mächtigsten Erscheinungen der Umgebung mit seinem markanten Felsgipfel. Unser Weg auf den Gipfel über Gras- und Schotterwege, teilweise auch Felsstufen wurde auf den letzten Metern durch eine leichte Klettersteigpassage gekrönt, die alle mit Bravour meisterten, bevor wir das Gipfelkreuz erreichten. Von hier aus hatten wir bei bester Fernsicht einen atemberaubenden Rundblick bis hin zum Alpenhauptkamm.
Drei auf einen Streich...
Über den Lago di Limides hatten wir uns heute den Gipfel des Nuvolau (2574 m) und des Averau (2649 m) vorgenommen. Unsere Tour startete am Falzarego Pass zum Lago di Limides, einem kleinen, idyllischen Gebirgssee. Dieser wird durch Schneeschmelze und Regenwasser gespeist, weshalb er im Hochsommer und Herbst leider oft ausgetrocknet ist. Daher unser Tipp: Schaue hier unbedingt im Frühsommer vorbei, um den traumhaften Anblick des Bergpanoramas, das sich im See spiegelt, genießen zu können. Unser Weg führte weiter zur Averau Hütte (2413 m), wo sich unsere Wege trennten. Die Klettersteigfans unter uns hatten in der Hoffnung, dass sich eine Gelegenheit bieten würde, ihre Klettersteigausrüstung eingepackt. So machten sich einige von uns voller Eifer in Richtung Averau-Klettersteig auf, um den höchsten Gipfel der Nuvolau Gruppe über den Klettersteig zu erklimmen. Der restliche Teil der Gruppe schlug den Weg in Richtung Nuvolau ein, um über den dortigen Felsgrat auf den Gipfel des Nuvolau zu gelangen. Dort befindet sich, erbaut im Jahr 1883, die älteste Berghütte der Dolomiten, der selbstverständlich ein Besuch abgestattet wurde. Alle, auf „ihrem" Gipfel angekommen, konnten erneut einen fantastischen Ausblick auf die bizarren Felsformationen der Dolomiten-Berge genießen und sich an diesem einmaligen Panorama einfach nicht sattsehen. Begeistert vom heutigen Tag machten wir uns auf den Rückweg, wo in unserem Hotel ein wohlverdientes Abendessen inklusive Dessertbuffet, von dem alle mindestens genauso begeistert waren, auf uns wartete.
...einer der schönsten Bergseen der Dolomiten, der Lago di Federa (2046 m) im Gemeindegebiet von Cortina Ampezzo in der Provinz Belluno
„Es war einmal..." so hätte unser heutiger Tag beginnen können, als wir unsere Wanderung auf einem märchenhaften Wald- und Bergwiesenpfad begannen. Im Anschluss folgten einige Felspassagen, bis wir zu einem der schönsten Bergseen der Dolomiten, den Lago di Federa, kamen. Unterhalb des Croda da Lago-Massivs gelegen ist er nur zu Fuß oder mit dem Mountainbike erreichbar. Gespeist durch unterirdische Quellen hat der See eine besonders hohe Wasserqualität und bietet dadurch Lebensraum für seltene Lebewesen, die andernorts schon lange ausgestorben sind. Wir nahmen Platz am Ufer des Sees, ließen unsere Seele baumeln, uns von der einzigartigen Atmosphäre verzaubern und die ganz mutigen unter uns wagten sogar einen Sprung in das eisige Wasser. Natürlich ließen wir es uns auch nicht nehmen, die Köstlichkeiten aus der Küche des „Rifugio Croda da Lago" (Palmieri-Hütte) zu testen, das sich direkt neben dem See befindet. Wir können diese nur wärmsten empfehlen.
...auf zur „La Crusc/Heiligkreuz Wallfahrtskirche" (2045 m) im Naturpark Fanes-Sennes-Prags
Der Weg führte uns heute zur kleinen Wallfahrtskirche La Crusc, die im 15. Jahrhundert am Fuße des Heiligkreuzkofel (2907 m) erbaut wurde und auch heute noch Ziel vieler Prozessionen ist. Bis heute werden im Kirchenaltar zahlreiche Reliquien aufbewahrt, die wir besichtigten. Einige Meter weiter bot uns der Heiligkreuzkofel ein Naturphänomen ganz anderer Art, die beeindruckende Schneehöhle „Sas dla Crusc". Durch einen umgekehrten Kamineffekt bläst hier im Sommer eiskalte Luft aus der Höhle und sorgt so für das Schneefeld am Fuße des Berges. Wir ließen uns durch die eisige Luft kühlen, waren jedoch schon nach kürzester Zeit durchgefroren, so dass uns die Sonne rasch wieder ins Warme lockte. Aufs Neue verbrachten wir einen Tag mit unzähligen beeindruckenden Erlebnissen, den wir abends gemeinsam in geselliger Runde ausklingen ließen.
...im Goiginger Stollen am Hexenstein (2477 m)
Der Hexenstein war im Ersten Weltkrieg Hochburg der österreichisch-ungarischen Armee, mit Höhlen übersät und von einem Tunnel, dem Goiginger Stollen, durchbohrt. Ausgerüstet mit Helm und Stirnlampe tauchten wir in den kalten, nassen Stollen ein, um ihn zu durchqueren und teilweise im Kriechgang zu erforschen. Wenige Felsenfenster boten uns spärliches Tageslicht und ohne unsere Stirnlampen wären wir in dieser Finsternis verloren gewesen. Dabei kamen uns die jungen Männer in den Sinn, die hier als Soldaten im Ersten Weltkrieg ausharren mussten, und ein bedrückendes Gefühl machte sich in uns breit. Wir waren froh, als wir endlich wieder ans helle Tageslicht kamen, aufrecht stehen konnten und uns die Sonne wärmend ins Gesicht blinzelte.
...und nochmals Spuren des Grande Guerra auf unserem Weg zum geschichtsträchtigen CoI di Lana (2462 m) in der Fanesgruppe am Valparola Pass
Wir starteten an der ehemaligen österreichischen Festung „Tre Sassi", die heute ein Museum ist, um den letzten Gipfel unserer Grande Guerra Tour zu erklimmen, den CoI di Lana, auch „Blutberg" genannt, aufgrund der vielen Toten, die es hier im Ersten Weltkrieg gab. Der ursprüngliche Gipfel des CoI di Lana wurde im April 1916 mit fünf Tonnen Sprengstoff in die Luft gejagt und noch heute gibt es davon zahlreiche Spuren. Unser Weg führte uns entlang der ehemaligen Baracken und Schützengräben auf den Gipfel des „Monte Sief" (2424 m), von dem aus wir mit Respekt auf den vor uns liegenden Grat und die mit Steigbügeln und Drahtseil versicherte Kletterpassage blickten, die wir auf den Gipfel des CoI di Lana zu bewältigen hatten. Inzwischen geübt meisterten alle diesen anspruchsvollen Abschnitt hervorragend, bevor wir stolz und glücklich den Gipfel erreichten. Beeindruckt von der Aussicht und den hier sichtbaren Zeugnissen der Geschichte machten wir an der kleinen Kapelle unterhalb des Gipfelkreuzes Rast, bevor wir über einen herrlichen, mit unzähligen bunten Blumen gesäumten Bergpfad den Rückweg antraten. Fast am Ende angelangt, so als wollten sie uns „Auf Wiedersehen" sagen, bekamen wir noch in nur wenigen Metern Entfernung einige Murmeltiere zu Gesicht, die sich von uns bestaunen ließen.
In Zahlen lässt sich unsere Woche wie folgt zusammenfassen:
82,61 km gewandert – 5.378 Höhenmeter Anstieg – 125.679 Schritte gegangen – 11.719 Aktiv-Kalorien verbrannt
Was wir gemeinsam erlebt haben, war so viel mehr: Wir
… fuhren mit Fremden los und kamen mit neuen Bergfreunden nach Hause.
... spannten den Bogen über Generationen – von 29 bis 70 war alles dabei!
... sind vielfältige Persönlichkeiten, verbunden durch eine gemeinsame Leidenschaft, die Berge.
... ließen den Alltag hinter uns und waren ganz im „Hier und Jetzt".
... nahmen persönliche Herausforderungen an und wuchsen über uns hinaus.
... feierten das Leben und ließen uns zugleich von der traurigen Vergangenheit berühren.
... ließen uns Südtiroler Käse und Schinken schmecken und bekamen mit Kaiserschmarrn, Apfelstrudel & Co. nicht nur unsere Vegetarier satt.
... waren, wenn es draußen zu regnen, donnern und blitzen begann, längst trockenen Fußes wieder in unserem schönen Hotel angekommen.
... hatten, wenn der Gedanke „oh je, oh je" kam, mit Manfred einen Bergführer an unserer Seite, der uns mit seiner Erfahrung und seinem aufmerksamen Blick immer die Sicherheit und Unterstützung gab, die es brauchte, um all diese großartigen Bergtouren erleben und genießen zu dürfen.
Es war eine Woche, wie wir sie uns schöner nicht hätten vorstellen können. Die Erfahrungen, Gefühle und Erinnerungen daran werden uns noch lange begleiten.
Unsere schönsten Touren — im schönsten Gebirge der Welt!
Bericht: Corinna Englert