Nun sind wir also auf dem Weg – bei bestem Wetter und voller Energie. Nach wenigen Minuten erreichen wir bereits die Ruine der Wildenburg und lassen uns gerne von diesem mystischen Ort in den Bann ziehen. Jahrhunderte alte Mauern, Steinmetzzeichen, Inschriften und viel Geschichte rund um das frühe Mittelalter – es gibt wahrlich viel zu sehen und zu entdecken und als Kind hat man sich eine Ritterburg immer genau so vorgestellt. Schnellen Schrittes geht es begab und weiter über die Hofmühle. Ein steiler Aufstieg durch den prächtigen Wald kann uns nicht schrecken und schon erreichen wir Beuchen. Wir nehmen uns Zeit für eine Rast und immer wieder finden wir uns auf dem Weg in unterschiedlichen Konstellationen zusammen und tauschen unsere Gedanken aus. Weiter fällt der Weg in Richtung Zittenfelden und führt uns an die Zittenfeldener Quelle, auch Siegfriedsquelle genannt. Zeit für einen Rückblick auf die Nibelungensage. Alles lauscht gespannt den kurzen humorvollen Versen einer zeitgenössischen Adaption, die Toni kurz vor der Tour noch in Auszügen vorbereiten konnte. Die Quelle sprudelt und wir alle lassen uns ganz im hier und jetzt von der Stimmung des Ortes gefangen nehmen. Wunderbar zieht sich der Weg als Schlusssequenz des Tages nach Amorbach. Durch das stille Morretal und den Totenweg kommen die Türme von Amorbach in Sicht. Was für ein toller Auftakt. Viel Sonne, gute Gespräche, stille Waldpassagen und viel(e) Geschichte(n) auf dem Weg gaben der ersten Etappe ihren besonderen Ton. Den Abend ließen wir gemütlich bei „Krims & Krams im Kerzenschein“ im Ortskern von Amorbach ausklingen.
Für den zweiten Tag gab es aus der Gruppe heraus eine gute Idee für einen sinnvolle Planänderung. Wir haben den längsten und auch sehr fordernden Teil unserer Tour von Bürgstadt auf das Kloster Engelberg einfach auf den zweiten Tag vorgezogen. Also wandern wir vom Parkplatz am Stutz direkt in Richtung Centrafenkapelle. Das Wetter wird immer besser und der anfängliche Hochnebel verzieht sich. Gut gelaunt und moderaten Schrittes geht es über die Heunensäulen und den Gipfel des Wannenbergs. Historische Spuren, weite Blicke und schließlich der Abstieg nach Freudenberg mit der beeindruckenden Burg machen den Weg unglaublich abwechslungsreich. Nach einer kurzen Rast auf der Burg verlieren wir schnell an Höhe und sind ruckzuck an der Brücke über den Main. Schnell durchwandern wir das Wohngebiet und an den Theresienhöfen wird es bald wieder etwas einsamer, aber auch steiler. Die Höhenmeter hoch zur Sohlhöhe wollen nun bewältigt werden. Wir gehen es langsam aber stetig an. Jetzt lockt uns das Kloster Engelberg zur Einkehr. Toni hat etwas Angst, dass wir es nicht vor Schankschluss schaffen – also geben wir Gas. Die letzten 6 km laufen wir flott und werden in der Klosterschänke trefflich belohnt. Kühl steht das dunkle Klosterbier im Krug und Kuchen ist auch noch da. Glücklich und zufrieden stoßen wir an. Was für ein schöner Moment und welch schöner Tag. Am Abend sitzen wir alle bei einer deftigen fränkischen Brotzeit bei Toni in der Gartenhütte. Wir essen, trinken, lachen und erzählen – so soll es sein: gemeinsam sportlich sein, gemeinsam erleben und gemeinsam genießen.
Der Sonntag weckt uns alle mit strahlender Sonne. Wir starten im Ortskern von Amorbach und laufen direkt mal einige Höhenmeter in die Beine, als uns der Weg hoch zur Gotthardsruine führt. Auch hier gibt es viel zur Geschichte zu erfahren und der Turm lockt mit einem tollen Blick über Amorbach, das gesamte Umland und in sieben Täler. Die Sonne wirft ihre Strahlen in die hallenartige Kirche und Schmuckornamente, die zurückgehen auf das 12 Jahrhundert, lassen uns staunen. Wir wandern weiter in Richtung des Sattels und lassen Amorbach mit einem letzten Blick hinter uns. Weiter geht es kurz und flach am Hang entlang und miteinander plaudernd passieren wir Reuenthal, um bald, im bereits leicht herbstlich gefärbten Wald, wieder einige steile Höhenmeter zu knacken. Oben angekommen auf der Hochfläche grüßt uns Monbrunn. Wir meinen fast, das könnte auch im Allgäu sein. Vorbei an Obstbäumen kommt uns eine Überraschung in den Blick. Das traditionsreiche Gasthaus Jägerruh hat immer am ersten Wochenende des Monats geöffnet und das ist genau heute. Das hatten wir nicht auf dem Schirm. Wir beschließen spontan einzukehren, werden ganz wunderbar bewirtet und genießen einfach den Moment. Klar, da fällt der Aufbruch nach rund einer Stunde echt schwer. Aber wir wollen ja noch nach Miltenberg.
Von der offenen Fläche geht es schnell wieder in den Wald und weiter auf teils lauschigen und teils steilen Wegen. Ein Stück Forstweg lässt erahnen, dass wir unserem Ziel immer näherkommen und am Kreuzungspunkt „Erlebnisweg 3 im Wald“ biegen wir links steil abwärts auf den Kutscherpfad ein. Ein letzter kurzer Abstecher zur Mildenburg eröffnet uns einen weiten, offenen Blick über Miltenberg. Die Kirche, die dem heiligen Jakobus geweiht ist, strahlt mit ihrem roten Stein in der Nachmittagssonne. Der Main zieht sich als blaues Band im weiten Bogen und direkt unter uns liegt das Schwarzviertel und lockt uns zur finalen Einkehr. Unsere letzten Schritte führen uns zum historischen Schnatterloch. Hier ist nun das offizielle Ziel unsere Tour erreicht. Ganz am Ende sind wir aber noch nicht. Wir schlendern einige Meter durch das Schwarzviertel und steuern die Braustube der örtlichen Brauerei Faust an. Schnell ist bestellt und die Gläser sind gefüllt – schnell ist auch die gemeinsame Zeit vergangen. Wir stoßen an auf unsere tolle Truppe.
Was bleibt? Eine kleine Auszeit, die sich wie ein ganzer Urlaub angefühlt hat. Die abwechslungsreichen Wege, die historischen Orte, das leise Rauschen der Wälder und die gute Gemeinschaft. Zeit für Kultur und Natur, gute Gespräche und Einkehr mit Herz. Dank an alle Mitwandernden für gute Laune und unkomplizierte Begleitung. Drei Tage Odenwald, auf den Spuren der Nibelungen bis hinunter an den Main, eine gelungene Tour.
Bericht: Toni Ebert